"Es ist unbegreiflich, wie Menschen den Rauch vertragen können. [...]
Frauen haben früher nicht Rauch geblasen; jetzt aber ist es üblich geworden, daß sie zerhackte Stinkblätter, die in Briefpapier eingewickelt sind, rauchstinken.
Die Folgen des Rauchstinkens sollen mannigfaltig sein. Die Stinker sterben früher als die Nichtstinker, was allerdings eine Freude ist für die, die sich von dem Unterschiede der Zahlen ernähren, die Zahlenkarle. Viele bekommen Geschwüre in den Magen, die Lungen verfaulen frühzeitig, die Blutadern werden steinig, der Kopf schmerzt und die Kinder der Rauchstinker sind kränklich.
Die Unsitte des Rauchstinkens ist wieder ein Teil dessen, was die Wasungu [die Deutschen, F. W.] in ihrer Sprache eine 'gesunde Volkswirtschaft' nennen. Es ist unverständlich, nicht wahr, daß eine ungesunde Gewohnheit als etwas Gesundes bezeichnet wird? Das kommt aber so, und in ihrer Narrheit merken sie es nicht: Weil viele Wasungu durch Rauchstinken ihr Leben verkürzen wollen, müssen sehr viele Menschen, Männer, Frauen, Kinder, in die Häuser fahren, wo Rauchrollen gewickelt werden und dort arbeiten. Sie bekommen dafür Geld und kaufen sich dafür Brot. Weil aber Ackerfeld zum Anbau der Stinkpflanzen gebraucht wird, wird die Ackerfläche für Brotgetreide kleiner und das Brot teurer. Um satt essen zu können, müssen deshalb die Arbeiter länger Rauchrollen drehn, damit sie mehr Geld bekommen, um Brot zu kaufen. Würden nun eines Tages weniger Rauchrollen gebraucht, so, sagen die Zahlenkarle, würden die Stinkblätterarbeiter brotlos. Und auch die Menschen, die Rauchrollen zum Verkauf anbieten, wollen nicht, daß weniger gestunken werde. Auch die Narren, die die Gefäße für die Asche machen, wollen es nicht. Und weil von jeder Rauchrolle etwas für die Regierung bezahlt wird, will es die Regierung auch nicht, denn dann kann sie die Zahlenkarle nicht bezahlen und die Männer, die die Rauchrollen zählen, und die Obernarren, die über die Schädlichkeit des Rauchstinkens schreiben. Sie alle glauben also, dann brotlos zu werden. Auch gibt es Wundermänner, die den krank gewordenen Stinkern den Rat geben, weniger Rauch zu stinken, und die dafür Geld bekommen, für das sie sich Brot kaufen. Und auch andere, die eine Arznei machen gegen die Verhärtung der Adern und das teuer verkaufen. Sie alle glauben, kein Geld und kein Brot zu haben, wenn weniger Rauch gestunken würde. Deshalb wird nicht nur vor dem Rauchen gewarnt, sondern überall steht geschrieben: Machet Rauch! Niemand achtet darauf, daß ja das Brot billiger wäre, wenn die Menschen, die in den Häusern Rauchrollen machen, auf den Acker gingen, auf dem jetzt die Stinkblätter gezogen werden, und dort Korn bauten. Ja, die Zahlenkarle fürchten, daß diese Menschen das, was sie essen wollen, selber bauen und das dann keine Wagen hin und her zu fahren brauchten und daß die Menschen, weil sie eine gesunde Arbeit haben, zu lange leben und deshalb mehr Brot verbrauchen würden. Deshalb also nennen sie das Machen von Rauchrollen eine blühende Tätigkeit und sprechen von einer gesunden, volkswirtschaftlichen Entwicklung. Es scheint aber, daß die, welche das Rauchstinken gewöhnt sind, eine Sucht danach haben und schwer davon lassen können. Sei deshalb froh, daß die Unsitte in Kitara unbekannt ist.
Dies ist, was Dir Lukanga über das Rauchstinken der Wasungu zu sagen hat.
Gütiger Herr, hüte Kitara vor den Rauchstinkern, Dein
Lukanga Mukara"
(Paasche: Lukanga Mukara, S.79ff)