FREIHEIT - als Freibrief fürs Rauchen oder als Freisein vom Tabakqualm?

 

Hierzulande wird unter Freiheit oftmals verstanden, nach Belieben konsumieren zu dürfen. Ob dabei die Mitwelt Schaden erleidet, ist egal. Ich nenne das nicht Freiheit, sondern hemmungslosen Konsumterror.

Meinen doch sogar Raucher immer wieder, das Nuckeln an den giftigen Glimmstengeln sei als ein Akt der persönlichen Freiheitsausübung anzusehen; und mit solchen irrsinnigen Floskeln fertigen sie Nichtraucher ab, die - natürlich mit vollster Berechtigung - Einwände erheben gegen die nicht zu duldende Zwangsbequalmung.

Raucher sind Sklaven ihrer Sucht. Sie üben nicht ihr Grundrecht auf freiheitliche Lebensgestaltung aus - allenfalls gestalten sie ihr Sterben -, sondern sie provozieren Abhängigkeit und Krankheit sowie Belästigungen durch den Gestank, den sie um sich verbreiten. Ist es nicht verantwortungslos, die eigene Gesundheit derart zu untergraben, und kriminell, dem Mitmenschen die Atemluft zu vergiften ?

Aber ausgerechnet hier versagt die Rechtsprechung. Trotz der katastrophalen ökologischen, gesundheitlichen und sozialen Verheerungen wird das, was schon als Verbrechen um den Tabak bezeichnet werden muß, nicht als solches erkannt oder zumindest nicht anerkannt. Vielmehr tritt - im Falle der Zwangsbequalmung und folgender angemessener, d.h. energischer Gegenwehr seitens des Nichtrauchers - eine Umkehrung der Schuldzuweisung ein: der Nichtraucher hat sich womöglich zu rechtfertigen für seine Notwehr anstelle des Rauchers, dessen Angriff auf Leben und Gesundheit unzulässig verharmlost oder gar legitimiert wird.

Ich aber sage: unfreiwilliges Passivrauchen ist Körperverletzung, eine strafrechtliche Verfolgung erscheint also zwingend. Bis sich diese Erkenntnis bei den Gerichten herumgesprochen hat, müssen sich Nichtraucher jedoch noch als Freiwild behandeln lassen. Sie sind weiterhin der Nötigung zum Passivrauchen ausgeliefert und haben sich dümmliche Rauchersprüche anzuhören. Der löbliche Wunsch, ein echter Nichtraucher oder eine echte Nichtraucherin zu sein, und zwar ohne Passivrauchzwischenfälle, bleibt unerfüllt. Wie lange noch?

Frank Wöckel


Anmerkung:
Der besseren Lesbarkeit wegen habe ich auf die Schreibweise mit dem großen "I" verzichtet. Wenn ich also von Rauchern spreche, so sind natürlich die Raucherinnen ebenso gemeint.