Liebe Leserinnen und Leser, zu meiner Freude kommt jetzt dieses längst fällige Buch über Nichtraucherrechte und Passivrauchopfer auf den Markt. Es liest sich wie ein Krimi. Weithin unbekannte Hintergründe der Nikotinszene werden aufgedeckt, und es enthält wichtige Fakten über Ernährung, Medizin, Politik, rechtliche Grundlagen und ein Sucht-Entzugsprogramm. Damit ist es für Nichtraucher und Raucher gleichermaßen von Interesse. Im Anhang finden Sie kommentierte Gerichts- und Behördenverfahren, Gesetzesentwürfe und Adressen, an die sich Betroffene um Unterstützung wenden können.

Erschütternd ist das Ausmaß an Naturzerstörung; ein Umweltskandal ohnegleichen ist der ungeheure Verbrauch von Regenwäldern für den Anbau und die Verarbeitung des Tabaks. Ein Baum reicht nur für 300 Zigaretten! Ganze Landstriche veröden. Das führt zu Armut in den Anbaugebieten. Die Tabakindustrie kassiert - und hält Ausschau nach weiterem Land, das sie ausbeuten und verwüsten kann. Darüber wird in den Medien nichts berichtet, auch nicht von den großen Naturschutzverbänden. Alles unter Kontrolle?

Mit verlogenen Werbetricks macht sich das Tabakimperium schon an Kinder heran, die noch nicht genug Selbstbewußtsein haben, um Nein zu sagen (leider haben das viele Erwachsene auch nicht). Keine Werbung mehr!

Die Verseuchung der Luft ist die perfideste Art der Vergiftung:
Wir können doch nicht aufhören zu atmen. Das ist besonders gefährlich für Kinder: eine Körperverletzung, die sich lebenslang auswirken kann in Form von Infekten, Asthma, Bronchitis, Allergien, Pilzbefall, Migräne, Arteriosklerose, Schwächung des Immunsystems und vielen anderen chronischen Beschwerden; auch Verhaltensstörungen, Aggressivität, Hyperaktivität oder Krebs, plötzlicher Kindstod... Kinder werden von Rauchern am schlimmsten geschädigt.

Daher plädiere ich für ein absolutes Rauchverbot in der Öffentlichkeit und in Gegenwart von Nichtrauchern, besonders Kindern, auch in den Familien! Eltern, die ihre Kinder vergiften, sind zu bestrafen. Der Entzug des Sorgerechts ist im Ausland schon verhängt worden. Im Kinderschutzgesetz muß das Rauchverbot in Gegenwart von Kindern verankert werden.

Raucher sind süchtig. Da es Süchtigen offensichtlich an Einsichtsfähigkeit und sozialer Verantwortung mangelt, müssen wirkungsvolle Gesetze her zum Schutz der Nichtraucher, die durch den Rauch stärker geschädigt werden als die Raucher selber. Zuwiderhandlungen sind spürbar zu bestrafen. Leider sind die bisherigen Nichtraucherschutz-Gesetzesvorlagen halbherzig, und man spürt selbst dagegen den Widerstand hinter den Kulissen.

Rauchen, besonders in Gegenwart von Nichtrauchern, müßte allein aus toxikologischen Gründen schon lange verboten sein, denn Tabakrauch ist ein Giftcocktail mit mindestens 40 (vierzig!) krebserzeugenden Substanzen und freien Radikalen, Ursache für degenerative Erkrankungen, die Geißel der heutigen Menschheit. Das zunehmende Heer von MCS-Patienten (chemische Sensibilität durch die hohe Umweltbelastung) kann kaum noch aus dem Haus gehen.

Durch keine andere Maßnahme könnten mehr Menschenleben gerettet und mehr Krankheiten verhindert werden als durch eine drastische Senkung des Tabakkonsums (WHO). Raucher sollten sich schämen, daß sie süchtig sind, und etwas dagegen tun. Es ist höchste Zeit, daß sich die Nichtraucher wehren. Fragen Sie überall nach rauchfreien Räumen und Hotelzimmern! Sagen Sie, daß der Rauch Sie stört. Verlassen Sie ein Lokal, das keinen Nichtraucherraum hat, auch wenn die Leute dumm gucken. Rauchfreie Atemluft ist ein Grundrecht und steht uns allen zu, am Arbeitsplatz und in der Freizeit. Öffentliche Einrichtungen wie Post, Bahn, Behörden und Lokale sollten endlich mit gutem Beispiel vorangehen.

Ich bin ganz sicher, daß Gaststätten, Hotels und Cafés für Nichtraucher gut besucht wären. In einer Raucheratmosphäre fühle ich mich unwohl und bleibe lieber zu Hause, denn ich esse gern - ohne Rauch!

In anderen Ländern ist man weiter: Auf einer Tagung in den USA wußte eine Bekannte nicht, wohin mit ihrer Zigarette. Das war der Anlaß aufzuhören. Gelegenheit macht Raucher. Man muß die Gelegenheiten abstellen, keine Aschenbecher aufstellen und Rauchverbote aussprechen. Leider merken die Raucher nicht von selbst, daß sie stören. Nur 14 Prozent fragen, ob sie uns die Atemluft verpesten dürfen.

Frank Wöckel war schon als Kind dem Rauch ausgeliefert und hat darunter - wie viele Kinder heute noch - sehr gelitten. Er kritisiert die unerträglichen Mißstände in Deutschland heftig - mit Recht! - und kämpft für uns alle. Dabei hat er schon viel eingesteckt, aber auch einiges erreicht, kleine Siege auf dem Weg zum rauchfreien Land. Herzlichen Dank dafür! Es ist höchste Zeit für Verstärkung und für die Solidarität der Nichtraucher. Übrigens: Rauch schädigt auch, wenn man ihn gerne riecht!

Ich wünsche diesem mit viel Engagement geschriebenen Buch eine weite Verbreitung und mitreißende Wirkung!

DR. ELEONORE PROCHÁZKA